Silber Index
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| Der
"Wert" von Silber? |
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Dieser
Artikel soll sich vor allem damit beschäftigen, wie sich der Preis
von Silber bildet, bzw. von welchen Faktoren er abhängt.
Die erste Annahme, die hierbei zu treffen wäre, ist die, dass der
Silberpreis (so wie der Preis jedes anderen Gutes), hauptsächlich
durch den Zusammenhang von Angebot und Nachfrage beeinflusst wird. Es
soll also nachfolgend festgestellt werden, wie gut sich der Preis als
Funktion von Angebot und Nachfrage darstellen lässt.
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| Silber
als Fördernebenprodukt anderer Rohstoffe |
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Um die Eigenheiten der Angebotseite ergründen zu können, muss Rücksicht
darauf genommen werden, dass entgegen verbreiteten Vermutungen, Silber
nicht mehr in reinen Silberminen abgebaut wird. Silber ist vielmehr ein
Nebenprodukt des Abbaus anderer Rohstoffe.
Gemäss dem World Silver Survey 2003 des SilverInstitutes werden mehr
als 70% des geförderten Silbers auf diese Weise als Nebenprodukt
zu Tage gebracht. So wurden 2002 ca. 32% des Silbers bei der Förderung
von Blei und Zink und ca. 25% bei der Förderung von Kupfer, aber
nur etwa 27% in reinen Silberminen gewonnen.
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Datenquelle:
World Silver Survey 2003 (SilverInvestor) |
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Es ist offensichtlich, dass die geförderte Menge Silber stark mit der
geförderten Menge dieser Metalle (Blei, Zink und Kupfer) zusammenhängt.
Da Silber aber nur einen relativ kleinen Teil der geförderten Mengen
dieser Minen ausmacht, ist es klar, dass nicht der Silberpreis die Fördermenge
bestimmt, sondern vielmehr der Preis der primär in diesen Minen geförderten
Rohstoffe.
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Beispiel:
Steigt
der Silberpreis und bleiben die Preise für die primären Metalle
konstant, würde sich durch das zusätzlich abgesetzte Silber
zu einem höherem Preis ein zusätzlicher Gewinnanteil ergeben.Da
die Menge an primären Metallen die von Silber bei weitem übertrifft,
würde der Verlust, der sich durch ein Überangebot dieser Metalle
aufgrund des Hochfahrens der Produktion ergeben würde (Überangebot = zu wenig Nachfrage --> es kann nicht alles abgesetzt
werden, oder es verfällt der Preis), den Gewinn aus dem Silberverkauf
mehr als neutralisieren. Alleine wegen dem höheren Silberpreis lohnt
sich eine Ausweitung der Produktion daher nicht.
Da
es sich bei Blei, Zink und Kupfer um Metalle handelt, welche hauptsächlich
in zyklischen Industrien zur Anwendung kommen, hängt das Angebot
bzw. die Nachfrage dieser Metalle hauptsächlich vom Konjunkturzyklus,
sprich vom Wirtschaftswachstum, ab.
Auf
Grund des Zusammenhangs zwischen dem Angebot konjunkturabhängiger
Metalle wie Blei, Zink und Kupfer und dem Angebot an Silber, müsste
man bei der Annahme, dass der Silberpreise eine Funktion u.a. des Angebots
sei, auf eine Korrelation von Silberpreis und Wirtschaftswachstum schliessen
können.
Folgende
Graphik zeigt eine Regression der jährlichen stetigen Silberrenditen
von 1955 bis 2003 auf das US-amerikanische Wirtschaftwachstum (gdp = gross
domestic product) von 1955 bis 2003 .
Die Korrelation zweier Titel kann sich zwischen –1 und +1 bewegen.
Hier seien die Extrema kurz dargestellt:
Korrelation –1:
Die Titel (A und B) verhalten sich völlig gegengleich (immer wenn
A steigt fällt B, bzw. vice vera)
Korrelation +1:
Die Titel verhalten sich völlig gleich (steigt A steigt auch B. fällt
A fällt auch B)
Korrelation 0:
Es ist keinerlei Zusammenhang zwischen den Bewegungen (Renditen) von A
und B festzustellen.
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Datenquelle:
GlobalFinData (Silber), Bureau of Economic Analysis (gdp) |
Es
ist dabei eine zu vernachlässigende Korrelation von 0,0078 (Wurzel
aus R²) zwischen den stetigen Renditen von Silber und dem gdp zu
beobachten. Dies bedeutet, dass zwischen der Performance von Silber und
dem gdp kein statistischer Zusammenhang ermittelt werden konnte .
Um zu untersuchen, wie sich der Silberpreis in Abhängigkeit vom erwarteten
Wirtschaftswachstum verhält, sei im Folgenden eine Regression der
stetigen Renditen von Silber (inflationsbereinigt) auf die stetigen Renditen
des SPX (S&P500) (inflationsbereinigt), von 1951 bis 2002 durchgeführt.
Hier sei die Annahme zugrunde gelegt, dass die Aktienkurse, und somit
auch der SPX als umfassender Index, die erwartete Wirtschaftsentwicklung
um etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr vorwegnehmen.
Somit kann mit folgendem Vergleich untersucht werden, ob der Silberpreis
die erwartete Wirtschaftsentwicklungen antizipiert.
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Datenquelle:
GlobalFinData (Silber), Yahoo (SPX), St. Louis Fed (Consumer price index)
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Es
ergibt sich dabei ebenfalls eine zu vernachlässigende Korrelation
von 0,0248 (Wurzel aus R²) zwischen den stetigen Renditen von Silber
(inflationsbereinigt) und den stetigen Renditen des inflationsbereinigten
SPX. Dies bedeutet, das zwischen der Performance von Silber und SPX kein
statistischer Zusammenhang ermittelt werden kann.
Es kann somit gesagt werden, dass die Preisentwicklung von Silber weder
vom tatsächlichen Wirtschaftswachstum, noch von der von den Investoren
erwarteten Konjunkturentwicklung abhängig ist.
Dieses Ergebnis steht nun im krassen Widerspruch zu den zuvor getroffenen
Annahmen, dass der Silberpreis in Zusammenhang mit der aktuellen bzw.
auch der erwarteten Wirtschaftsentwicklung steht.
Da ein Zusammenhang zwischen Konjunktur und Silberangebot besteht (durch
die Abhängigkeit des Silberangebots von den Metallen Blei, Zink und
Kupfer) müsste aber auch der Preis je Unze vom Wirtschaftswachstum
abhängen, wenn er sich als Funktion des Angebots darstellen lässt.
Um in dieser Frage Klarheit zu schaffen, sucht das nächste Unterkapitel
eine Preisfunktion in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage zu erstellen.
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| Preis
als Funktion von Angebot und Nachfrage |
Um
zu ergründen, wie der Preis je Unze Silber von der Angebotsmenge
und von der nachgefragten Menge an Silber abhängt, wurde jährlich
die Differenz der annualen Angebots- und Nachfrage-Daten (zur Verfügung
gestellt von SilverInvestor) gebildet. Diese Differenz, also der Überhang
von Angebot (wenn Differenz positiv) bzw. das Defizit an Angebot (wenn
Differenz negativ), sollte nun eine Aussage über den Silberpreis
treffen können.
Entsprechend einer üblichen Angebot-Nachfragefunktion für ein
knappes Gut, sollte bei erhöhter Nachfrage (im Vergleich zum Angebot)
der Preis steigen, sowie bei verringerter Nachfrage (im Vergleich zum
Angebot) der Preis entsprechend fallen. Nachstehend soll diese Annahme
untersucht werden.
Folgender Chart zeigt den Silberpreis (inflationsbereinigte (ic) Jahresschlusskurse
von 1959 bis 2002) in USD je Unze über der Differenz aus jährlichem
Silberangebot und Silbernachfrage (in Mio. Unzen).
Die eingezeichnete Funktion soll als näherungsweise Funktion des
Preises in Abhängigkeit der Differenz aus Angebot und Nachfrage dienen,
und so Auskunft über deren Zusammenhang geben.
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Datenquelle:
GlobalFinData (Silber), SilverInvestor (supply and demand data) |
Hierbei
wäre wohl anzunehmen gewesen (wie schon oben beschrieben), dass bei
einem Angebotsüberhang der Preis gering ist und bei einem Angebotsmangel
der Preis je Unze entsprechend höher sei.
Es zeigt sich nun bei genauerer Betrachtung der Graphik interessanterweise
ein, von dieser getroffenen Annahme vom Zusammenhang von Preis und Angebot
und Nachfrage, völlig unterschiedliches Bild.
So ist zu ersehen, dass der Preis bei einem Nachfrageüberhang (also
einem Mangel an Silber) eher gering bleibt (ca. bei 5 USD je Unze), während
er bei einem Angebotsüberhang tendenziell eher höher liegt.
Es stellt sich nun die Frage nach dem Grund, für dieses, im Vergleich
zu anderen Angebots-Nachfrage-Funktionen, inverse Verhalten des Preises,
welches auf den ersten Blick ein nicht verständliches irrationales
Bild er gibt.
Es soll daher versucht werden zu ergründen, weshalb es zu so einem
Verhalten kommen könnte.
Daten bezüglich Notenbankverkäufe, sowie Regierungsverkäufe
(hier vor allem die Verkäufe der Chinesischen Regierung seit 1998,
welche laut "World Silver Survey 2003" im Jahr 2002 etwa 51
Mio. Unzen Silber (etwa 6% des weltweiten Angebotes dieses Jahres) auf
den Markt brachten, wurden bereits bei den Angebotsdaten berücksichtigt.
Somit dürfen sie bei den folgenden Überlegungen nicht weiter
in Betracht gezogen (nochmals eingerechnet) werden und sind daher absichtlich
nicht mehr erwähnt.
Es muss also noch eine Quelle für Silber geben, welche es schafft,
die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage zu überbrücken, oder
anders formuliert, den Silberpreis kontinuierlich zu drücken, und
somit das oben gezeigte unnatürliche Verhalten hervorzurufen. |
| Physisches
und immaterielles Silber (paper silver) als Gesamtangebot |
Physisches
Silber |
Das
Angebot an physischem Silber setzt sich zusammen aus dem jährlichen
Output, also der Förderung der Minen (71%), Verkäufen von Notenbanken
und Regierungen(8%) und Wiederverwertung (Recycling) von Silberabfällen
(21%)... |
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Datenquelle:
World Silver Survey 2003 (SilverInvestor) |
...und
aus dem „AboveGroundStock“ (Silbervorräte; gelagertes
Barren-Silber), welcher laut "World Silver Survey 2003" im Jahr
2002 bei etwa 737 Mio. Unzen lag (davon: europäische Händler
ca. 47%, Regierungen ca. 15% und COMEX (commodity exchange) ca 36%, Rest
ca. 2%).
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Datenquelle:
World Silver Survey 2003 (SilverInvestor) |
Bei
der Betrachtung des AboveGroundStock ist jedoch zu berücksichtigen,
das sich dieser auf Grund des Nachfrageüberhangs (Angebotsmangels)
kontinuierlich verringert (2002 um 20 Mio Unzen; von 1992 bis 2002 um
sogar insgesamt ca. 900 Mio Unzen).
Folgender Chart zeigt hierzu das kumulierte Angebotdefizit von 1950 bis
Ende 2002, in Mio. Unzen.
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Datenquelle:
SilverInvestor (supply and demand data) |
Der
Vorrat an überirdischem Silber würde also bei gleich bleibendem
durchschnittlichem Angebotsmangel ( wie in den letzen 10 Jahren) in etwa
8 Jahren aufgebraucht sein. Daraus würde sich ableiten lassen, dass
der AboveGroundStock eher nicht auf die Preise drückt, vielmehr sollte
seine vergleichsweise rasante Verringerung sogar Preisanstiege hervorzurufen.Somit
ist wohl das Angebot an physischem Silber als Grund für den permanenten
Druck auf den Silberpreis auszuschliessen. |
| Futurekontrakte
auf Silber (paper silver) |
Das
Gesamtangebot an Silber besteht jedoch nicht nur aus physischen Silber,
sondern auch aus immateriellem Silber, nämlich jenem, welches in
Form von Futures (und auch Optionen) an den Terminbörsen gehandelt
wird.
Es soll nun dieses paper-silver und dessen Einfluss auf die Preisbildung
genauer untersucht werdenDazu sei bei den nachstehenden Betrachtungen
lediglich auf die Daten der COMEX (us commodity exchange) eingegangen,
und andere Futurebörsen auf Grund ihrer zu vernachlässigenden
Relevanz für den Handel mit Silber-Derivaten, vernachlässigt
werden. Im Folgenden werden verschiedene Typen von Akteuren an den Terminmärkten
erwähnt. Diese sollen zuvor kurz definiert werden:
reportable
non-commercial traders:
Fonds, Grossinvestoren und Spekulanten, welche auf Grund der Grösse
ihrer Transaktionen gegenüber der COMEX verpflichtet sind, Bericht
zu erstatten.
reportable
commercial traders:
Produzenten, Abnehmer, Hedgers, Banken und andere Finanzintermediäre,
welche auf Grund der Grösse ihrer Transaktionen gegenüber der
COMEX verpflichtet sind, Bericht zu erstatten.
non-reportable
traders:
Händler die auf Grund ihres geringen Volumens gegenüber der
COMEX nicht verpflichtet sind, Bericht zu erstatten.
Vorab
muss zusätzlich erwähnt werden, dass ein Futurekontrakt (hier
der Silber-Future an der COMEX), nichts anderes ist, als ein Vertrag,
bei dem sich die Shortseite verpflichtet, der Longseite das Underlying
(das zugrunde liegende Basisgut, hier physisches Silber) zu verkaufen
und somit auch zu liefern.
So gesehen, stellen also Futurekontrakte auch ein Angebot an Silber dar.
Bei direkten Geschäften mit physischem Silber (also nicht über
Terminbörsen), wird Silber verkauft, welches aus den schon zuvor
erwähnten Quellen, nämlich aus der jährlichen Förderung
und (da die jährliche Förderung zur Deckung der Nachfrage nicht
ausreicht) aus dem AboveGroundStock, der sich dadurch verringert, stammen.
Bei Termingeschäften wird jedoch nur das Versprechen abgegeben, später
materielles Silber zu liefern, was, zumindest im Moment des Geschäftsabschlusses,
den AboveGroundStock natürlich noch nicht mindert.
Da der AboveGroundStock durch Futuregeschäfte somit vorerst also
konstant bleibt, muss sich das Gesamtangebot folglich, um die Menge des
Angebots aus versprochenen Verkäufen erhöhen, entsprechend den
Verpflichtungen aus den Futurekontrakten..
In der untenstehenden Tabelle sind die jährlichen Shortpositionen
(Summe aus Shorts der commercials und der non-commercials) an der COMEX
der jährlichen Differenz aus Angebot und Nachfrage gegenübergestellt
(von 1986 bis 2003; in Unzen).
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Datenquelle:
CFTC (COMEX commitment of traders) |
Durch
diese Tabelle soll gezeigt werden, dass ein Vielfaches des Nachfrageüberhangs
durch das Angebot aus paper-silver (Future-Shorts) abgedeckt wird. Dieser
fiktive Ausgleich des Angebotmangels durch Shortkontrakte an den Futurebörsen
hätte aufgrund des Umfangs dieser Positionen das Potential, den Silberpreis
durch das zusätzliche Angebot (paper-silver) erfolgreich zu drücken,
und somit das zuvor beschriebene inverse Verhalten des Preises hervorzurufen.
Um den Gehalt dieser Vermutung zu untersuchen, soll der Silberpreis den
Shortpositionen gegenübergestellt werden. Folgender Chart zeigt daher
die Entwicklung des Silberpreises von 1986 bis 2003 (Quartalsweise) und
die Shortpositionen (commercial und non-commercial) an der COMEX für
den selben Zeitraum.
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Datenquelle:
GlobalFinData (Silber), CFTC (COMEX commitment of traders) |
Betrachtet
man in dieser Graphik die gleitenden Durchschnitte (um kurzfristige Schwankungen
zu glätten), so ist der inverse Zusammenhang zwischen Silberpreis
und Shortposition klar ersichtlich. Es zeigt sich, dass ein niedriger
Silberpreis in der Regel von erhöhtem Shortvolumen begleitet wird
(Shortpositionen drücken dann den Preis), während dieses bei
einem vergleichsweise höherem Wert der Unze Silber entsprechend geringer
ist (weniger Shortpositionen führen zu vermindertem Druck auf den
Silberpreis).
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| Betrachtung
der Positionen der verschiedenen Terminmarkt-Akteure |
Nachfolgend
soll zusätzlich zwischen non-commercial (Fonds, Grossinvestoren und
Spekulanten) und commercial traders (Produzenten, Abnehmer, Hedgers, Banken
und andere Finanzintermediäre) bei der Betrachtung der Kontraktpositionen
unterschieden werden.
Um unterschiedliches Verhalten der beiden "reportable trader"
Typen erkennen zu können, sollen zusätzlich zu den bisher erwähnten
Shortpositionen auch noch die Longpositionen berücksichtigt werden.
Die Differenz dieser beiden ist die jeweilige Nettoposition, welche von
grösserer Aussagekraft ist, da sie anzeigt, wer die zuvor erwähnten
massiven Shortpositionen erzeugt, und wer die entsprechenden Gegenpositionen
dazu eingeht
Somit führt folgende Graphik eine Gegenüberstellung der beiden
Positionen von 1986 bis 2003 (Quartalsweise) durch (Angabe in Unzen).
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Datenquelle:
CFTC (COMEX commitment of traders) |
Daraus
ist klar ersichtlich, dass die Shortposititinen zu einem grossen Teil
von den commercials eingegangen werden, wobei die non-commercials die
jeweiligen Gegenpositionen zu beziehen scheinen (also Long gehen).
Dieser inverse Zusammenhang der Ausrichtung der beiden Händlertypen
ist nahezu perfekt negativ korreliert (mit einer Korrelation von –0,9159).
Die Netto-Shortposition der commercials scheinen dabei einen negativen
Offset von etwa 100 Mio. bis 200 Mio. Unzen aufzuweisen, welcher der Gesamt-Netto-Shortposition
der COMEX entspricht.
Da es zu jeder Shortposition zwingend eine zugehörige Gegenposition
geben muss, sei hier nochmals angeführt, dass Trades, welche eine
bestimmte Grösse nicht überschreiten, bei der COMEX nicht berichtpflichtig
sind.
Diese Trades fallen unter die Rubrik „non-reportable-trades“,
deren Nettopositionen, das Gegenstück zu den noch offenen Kontrakten
der commercials und der non-commercials bilden.
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| Abschliesender
Versuch einer Schlussfolgerung |
Abschliessend
sei versucht zu ergründen, welche Auswirkungen diese Faktoren in
Zukunft auf das Silberangebot und den Silberpreis haben könnten.
Dafür betrachte man die aktuellen (Ende 2002) Zahlen betreffend AboveGroundStock
von ca. +740 Mio Unzen, den durchschnittlichen (Durchschnitt von 1992
bis 2002) Angebotsmangel von ca. –80 Mio Unzen pro Jahr, sowie die
gesamten Shortpositionen der COMEX (commercial und non-commercial traders)
von ca. -450 Mio Unzen.
Bei den folgenden Überlegungen wird vorerst absichtlich auf die Einbeziehung
der Positionen der non-reportable traders, sowie auf die der Positionen
in Optionen verzichtet, um den Sachverhalt möglichst simpel darstellen
zu können.
Die Shortpositionen sind hier absichtlich mit einem Minus von 450 Mio
angeführt. Sie stellen zwar bei Abschluss des Kontraktes ein fiktives
zusätzlich Angebot dar, welches des Preis drückt, jedoch muss
das versprochene Silber am Verfallstag ja geliefert werden. Um es liefern
zu können, muss es real (also materiell) gehalten werden. Das heisst
der short positionierte Händler muss es zuvor kaufen, um dass Silber
am Verfallstag liefern zu können, was also nun eine zusätzliche
Nachfrage darstellt.
Futures
stellen bei Kontraktabschluss ein fiktives Zusatzangebot dar, jedoch bei
Vertragserfüllung, also dem Verfallstag, eine reale Zusatznachfrage.
Nicht unbedingt, siehe oben.
Um
die aktuell (Ende 2002) wirklich zur Verfügung stehende Menge an
Silber zu ermitteln, also unter der Annahme jeder Short müsste sich
Ende 2002 mit dem von ihm am Verfallstag benötigtem Silber eindecken,
müssen vom Above Ground Stock also noch die Shortpositionen der Futuretrader
abgezogen werden.
So ergibt sich (aus 740-450 = 290), dass diese Menge Ende 2002 bei etwa
290 Mio Unzen lag.
Minimiert sich dieser Stock von 290 Mio. Unzen nun kontinuierlich pro
Jahr um ca. 80 Mio Unzen (obig beschriebener durchschnittliche jährliche
Nachfrageüberhang), so wäre nach etwa 3,5 Jahren, von 2002 weg
gerechnet (also etwa im Jahr 2005), der Zeitpunkt erreicht, an dem die
wirklich verfügbare Menge auf 0 abgesunken wäre.
Es würden zwar noch die 450 Mio. Unzen der Futurepositionen in physischem
Silber existieren, jedoch müssten diese für den Fall der Kontrakteinlösung
der Futures bereitgehalten werden.
Gesetzt den Fall, diese 450 Mio Unzen würden nicht bereit gehalten
(also zum Beispiel in der Industrie verbraucht), bzw. die Shortpositionen
an der Futurebösre würden sich ausweiten, wäre etwa Ende
2005 also nicht mehr genügend Silber vorhanden, um die Verpflichtungen
der Future-Shortkontrakte zu erfüllen.
Dies würde dazu führen, dass der Wert der Kontrakte verfallen
und auf Grund der erhöhten Nachfrage (um die Pflicht aus den Futurekontrakten
zu erfüllen) der Preis je Unze Silber steigen müsste.
Da die Realisierung dieses Szenarios eher als unrealistisch zu bewerten
ist, muss in näherer Zukunft von diesem eben beschriebenen Pfad abgewichen
werden.
Sinnvollerweise sollte dies durch eine Erhöhung des Silberpreises
geschehen, was dazu führen würde, dass sich die Nachfrage entsprechend
einschränken und das Angebot ausweiten würde.
Das Angebot würde sich bei einem grösseren Anstieg des Silberpreises
ausweiten, da viele Minen bei den jetzigen Preisen mit Verlusten produzieren
müssten und deshalb zur Zeit gar kein Silber fördern. Ab einem
kritischen Preis würde sich eine Produktion jedoch lohnen, wodurch
sich das Angebot erhöhen würde (darauf sei jedoch erst in einem
späterem Kapitel ausführlich eingegangen).
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| Erweiterter
Betrachtungshorizont |
Bei
den hier getroffenen Annahmen, wurden nur die Positionen der, bei gegenüber
der COMEX zum Bericht verpflichteten Händler berücksichtigt.
Ferner wurde ebenfalls auf die Miteinbeziehung der Positionen in Optionen
verzichtet.
Würde man die Geschäfte mit Optionen, sowie die Shortpositionen
der non-reportable traders ebenfalls berücksichtigen, ergäbe
sich ein noch deutlicheres Bild.
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Datenquelle:
CFTC (COMEX commitment of traders) |
So
liegt die aktuelle Gesamtshortposition (auch als open interest bezeichnet)
an der COMEX (lt. cftc) im Mai 2004, inklusive non-commercial traders,
commercial traders, non-reportable traders und Optionsgeschäften
bei etwa 630 Mio. Unzen (126.000 Kontrakte * 5.000 Unzen je Kontrakt).
War der AboveGroundStock 2002 bei etwa 740 Mio Unzen und hat er sich entsprechend
der obigen Annahme jährlich um 80 Mio. Unzen reduziert, so müsste
er zur Zeit bei etwa 580 Mio Unzen liegen.
Diese Zahlen betrachtend ( Stock 580 – Short 630 = -50 Mio. Unzen
Defizit) zeigt, dass bei Richtigkeit obig getroffener Annahmen bereits
jetzt schon der Zeitpunkt erreicht, bzw. sogar überschritten ist,
an dem das Silberangebot gerade noch dazu reichen würde, die Verpflichtungen
aus den Termingeschäften zu erfüllen.
Das bedeutet aber, dass ab nun jede zusätzlich verbrauchte Unze die
Erfüllung der Verpflichtungen aus den Terminkontrakten verhindert,
was das Defizit an benötigtem Silber zur Bedienung der Futurekontrakte
erhöht, und somit den Silberpreis zusätzlich treiben sollte.
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| Mit
freundlicher Genehmigung von Martin Nussbaumer |
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