Silber Index
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| Die "Hunt Spekulation" |
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| Chronologie
der Ereignisse um die Silberinvestitionen der Gebrüder Hunt |
| Noch heute ranken sich zahlreiche Legenden und Erzählungen rund um die
Geschehnisse im Zusammenhang mit den Silberinvestitionen der Gebrüder Hunt. silberinfo möchte durch diese Chronologie dazu beitragen, diese Unklarheiten und Halbwahrheiten auszuräumen.
Beginn ihrer Silberkäufe anfangs der 70er-Jahre war die Familie Hunt
wahrscheinlich die reichste Familie der USA. Ihr Reichtum basierte vor
allem auf dem Erdöl. Der Vater H.L. Hunt, eine schillernde Südstaaten-Persönlichkeit,
bohrte unter anderem mit Pokergewinnen anfangs der 20er-Jahre in El Dorado,
Arkansas nach Öl. Gleich mit seiner ersten Ölquelle war er erfolgreich.
Später kam er dank dem Tipp eines Freundes dazu, sich im Osten Texas
zu engagieren, wo er schliesslich ein führender, unabhängiger
Produzent auf dem grössten Ölfeld, das je gefunden worden ist,
dem „East Texas Oilfield“ bei Kilgore wurde.
H.L. Hunt war dreimal verheiratet (mit zwei Frauen gleichzeitig!) und aus diesen
Ehen hatte er insgesamt 15 Kinder. Auch einige seiner Söhne waren
im Ölgeschäft und hatten auch Lizenzen ausserhalb der USA, z.B.
in Libyen. An den Geschehnissen rund um den Silbermarkt waren die 3 jüngsten
Kinder der ersten Familie, Bunker, Herbert und Lamar beteiligt. |
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1970:
Zu dieser Zeit machte sich die Inflation in den USA immer
stärker bemerkbar, Vietnam erschütterte die USA und brachte
Zweifel an der Regierung und Proteste im Land, der nahe Osten war
ein Pulverfass. Bunker Hunt glaubte, dass sich die Weltlage verschlechtern
würde und beschloss, seinen Besitz zu schützen. Da der Goldbesitz
zu dieser Zeit für die US-Bürger verboten war, lag die Investition
in Silber auf der Hand; und Bunker entschloss sich bei einem Silberkurs
von 1,50 USD/Unze zum Silberkauf. Zwischen 1970 und 1973 kauften Bunker
und sein Bruder Herbert rund 200'000 Unzen Silber; gleichzeitig verdoppelte
sich der Silberkurs in dieser Zeit auf 3 USD/Unze.
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1973-1974: Die Wirkung der Inflation hat weiter zugenommen und Herbert und Bunker
entschlossen sich, Silber im grossen Stil zu kaufen. Bis anfangs 1974
kauften sie Silberkontrakte im Umfang von 55 Millionen Unzen Silber,
oder etwa 8% des dazumaligen weltweiten Angebotes. Die Brüder
liessen sich dann die ganzen 55 Millionen Unzen ausliefern. Da sich
Bunker Sorgen machte, dass das Silber vom Staat konfisziert werden
könnte, liess er den Grossteil davon nach Europa bringen.
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1974: Im Frühjahr 1974 stieg der Silberpreis auf über 6 USD/Unze,
und Gerüchte, dass die Hunts eine marktbeherrschende Stellung
einnehmen wollten, machten die Runde. Zu dieser Zeit lag die jährliche
Produktion bei 245 Millionen Unzen und die Nachfrage bei 450 Millionen
Unzen. Zu dieser Zeit erschien Bunker Hunt an der COMEX und liess
verlauten, dass „fast alles besser sei als Papiergeld“
und dass „jeder Depp eine Druckmaschine laufen lassen könne“.
Durch Silberverkäufe der mexikanischen Zentralbank sank danach
der Silberpreis wieder in die Region von 3-4 USD/Unze, doch Bunker
und Herbert liessen sich dadurch nicht entmutigen und machten weiter.
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1975:
Bunker und Herbert versuchten erfolglos den Finanzminister
Persiens zu überzeugen, dass die Pahlevi Familie in Silber investiere.
Auch mit König Faisal von Saudi Arabien wollte er sich treffen,
doch wurde dieser kurz vor dem anberaumten Termin durch seinen Neffen
ermordet.
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1976: Bunker und Herbert liessen sich weitere 20 Millionen Unzen durch eine
Firma namens „Great Western United“ ausliefern.
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1978:
Bunker Hunt traf sich in Washington mit einem Saudischen
Scheich und gründete ein Jahr später „International
Metal Investment Group“ in Bermuda zusammen mit Herbert und
zwei Saudischen Scheichs.
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1979: Der Silberpreis stieg anfangs 1979 unaufhaltsam auf 8 USD/Unze. Im
Sommer kauften die Hunts zusammen mit den Saudischen Partnern über
„International Metal Investment Group“ über 43 Millionen
Unzen Silberkontrakte über die COMEX und CBOT mit Auslieferungstermin
im Herbst. Daraufhin verdoppelte sich der Silberpreis im Herbst in
nur zwei Monaten von auf 16 USD/Unze. Auch andere Parteien fingen
an Silber im grossen Stil zu kaufen und die COMEX und CBOT-Verantwortlichen
kriegten langsam Panik. In ihren Lagern hatten die beiden Börsen
zusammen nur 120 Millionen Unzen Silber – eine Menge, welche
alleine im Oktober `79 gehandelt wurde. Viele Leute wählten,
wie die Hunts, die physische Lieferung des Silbers ihrer Kontrakte.
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Ende
1979 überschlugen sich die Ereignisse. Die CBOT änderte
die Regeln und gab bekannt, dass kein Investor mehr als 3 Millionen
Silberkontrakte halten dürfe. Alle Kontrakte, welche diese Limite
übertreffen, mussten bis Februar 1980 liquidiert werden. Auch
wurden die Einschusspflicht erhöht. Durch diese Massnahmen war
sich Bunker Hunt nun sicher, dass eine echte Silberknappheit eingetreten
war und kaufte weiter wie wild Silber. Zu diesem Zeitpunkt besass
er 40 Millionen Unzen Silber im Ausland, 90 Millionen Unzen Silber
gemeinsam mit seinen Partnern über „International Metal
Inv. Group“. Letztere hielt des weiteren Kontrakte für
weitere 90 Millionen Unzen Silber, deren Auslieferungszeitpunkt im
März 1980 lag. Auch der jüngere Hunt-Bruder Lamar stieg
zu diesem Zeitpunkt ein und ging eine Silber-Position im Wert von
300 Millionen USD ein. Am letzten Tag des Jahres 1979 stand der Silberpreis
bei 34,45 USD/Unze!
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Am
7. Januar 1980 änderte die COMEX ihre Regeln dahingehend,
dass jeder Händler nur noch Kontrakte über 10 Millionen
Unzen halten dürfe. Darüber hinausgehende Positionen mussten
bis zum 18. Februar liquidiert werden. Das CFTC (die Aufsichtsbehörde
über die COMEX) hiess die Regeländerungen gut.
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17.
Januar 1980: Der Silberpreis erreichte 52,50 USD/Unze. Bunker
hatte die Silberkäufe weitergeführt. Zu diesem Zeitpunkt
war die Silberposition der Hunts 4,5 Milliarden USD wert.
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21.
Januar 1980: Die COMEX suspendierte den Silberhandel und
gab bekannt, dass nur noch Liquidierungsaufträge entgegengenommen
würden. Silber fiel um 10 USD/Unze und stand bis Ende Januar
bei etwa 39 USD/Unze.
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Anfangs
Februar liess sich Bunker Hund weitere 26 Millionen Unzen
Silber aus Chicago ausliefern.
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14.
März 1980: Der Silberpreis ist bis auf 21 USD/Unze gesunken.
Der Vorsitzende der FED, Paul Volcker hatte die Zinsen angehoben und
der Dollar wurde stärker. Vergeblich versuchte Bunker Partner
für weitere Silberkäufe zu gewinnen.
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Am
25. März schliesslich hatten die Gebrüder Hunt
nicht mehr genug Liquidität, um ihre Nachschusspflichten zu erfüllen.
Am nächsten Morgen verkauften die Gebrüder Hunt Silber im
Wert von 100 Millionen USD.
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Der
27. März 1980 wird auch als „silver thursday“
bezeichnet. Der Silberpreis eröffnete bei 15,80 USD/Unze und
schloss bei 10,80 USD/Unze. Die Aktienkurse gaben zuerst nach wegen
Gerüchten, dass die Gebrüder Hunt Aktien verkaufen müssten,
um ihre Silberverluste zu decken, fingen sich dann aber wieder und
schlossen praktisch unverändert.
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Am
nächsten Tag erholte sich Silber wieder etwas auf 12
USD/Unze. Der durchschnittliche Einstandspreis des von den Hunts physisch
gehaltenen Silbers lag bei ungefähr 10 USD/Unze, doch die Kontrakte
wurden durchschnittlich bei ungefähr 35 USD/Unze gekauft. Am
Ende hatten die Hunts Schulden in der Höhe von 1,5 Milliarden
Dollars.
Der FED-Vorsitzende Volcker stimmt einem Ausstiegsplan für die
Hunts zu, weil er ein Finanz-Desaster befürchtete. Eine Bankengruppe
stimmte einer Anleihe von 1,1 Milliarden Dollars zu, doch die Familie
musste Sicherheiten im Wert von 8-9 Milliarden USD dafür hinterlegen,
was praktisch das ganze produktive Vermögen der Familie ausmachte.
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Mitte
1980 stand der Silberpreis wieder bei 17 USD/Unze. Es zeigte
sich, dass das ganze keineswegs eine einseitige Manipulation der Hunts
war, sondern dass einige Akteure so stark "short" im Silber
gewesen waren, dass für sie auch sehr viel auf dem Spiel stand.
Laut Gerüchten waren 9 Direktoren der COMEX persönlich mit
"short"-Positionen involviert und verdienten am Crash des
Silberpreises anfangs 1980 kräftig mit.
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1988
gaben die Gebrüder Hunt Privatkonkurs ein und verliessen
diesen 1989 mit 90 Millionen USD Schulden, welche innerhalb von 15
Jahren zurückbezahlt werden mussten. Die Gebrüder Hunt wurden
im August 1988 verurteilt wegen „Verschwörung zur Manipulation
des Marktes“.
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Haroldson
Lafayette Hunt, Jr.
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Nelson
Bunker Hunt |
Lamar
Hunt |
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Die Gebrüder Hunt waren von Grund auf sehr konservativ eingestellt und hatten schon sehr früh ihre Vorbehalte gegenüber dem „Finanz-Establishment“ und vor allem gegenüber dem Papiergeld. Als eine Familie, welche den wertvollen Rohstoff Öl täglich gegen Papiergeld verkaufte, lag ihnen der Schutz dieses Reichtums vor dem Nagezahn der Inflation sehr am Herzen.
Die Motivation für ihre Silberkäufe war also
nicht die Gier nach Gewinn, sondern vielmehr ihr (teilweise fast schon
paranoide Züge annehmendes) Streben nach der Sicherung des Familienvermögens.
Die Spekulation im Sinne von „Streben nach schnellem Gewinne“
stand also entgegen den Berichten der meisten Medien nie im Mittelpunkt
ihrer Silberstrategie. Doch wie es in der Familie üblich war wurden
keine halben Sachen gemacht und nach ersten Erfolgen anfangs der 70er
Jahre setzten sie gleich sehr grosse Summen auf Silber. So grosse, Summen,
dass es der COMEX und den "Shorties" ziemlich ungemütlich
wurde. Dabei machten sie aber den Fehler, dass sie zuviel Silber mit Fremdkapital
kauften, wodurch sie sich zu stark in die Abhängigkeit von Banken
und Terminhändlern begaben.
Im Gegensatz zu den Gebrüdern Hunt kamen die "Shorties" aber
schliesslich ungeschoren davon (man bedenke, dass jeder "Long"-Positione
auch immer eine "Short"-Position gegenüber steht). Über
deren (Insider?-) Gewinne regte sich in der Presse niemand auf, genauso
wenig über die rückwirkenden Regeländerungen der Terminbörsen.
Für die Finanzwelt, die Medien und auch in der Erinnerung der meisten
Leute waren die Hunts zum Inbegriff von Spekulanten und Marktmanipulatoren
geworden. |
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