Chemische und physikalische Eigenschaften von Silber
Silber ist das Metall der Superlative. Es übertrifft alle anderen Metalle in Bezug auf das Reflexionsvermögen, die Polierfähigkeit, sowie die elektrische und die thermische Leitfähigkeit. Da Silber nur mit wenigen chemischen Substanzen reagiert und weitgehend Korrosionsbeständig ist, oder wissenschaftlich ausgedrückt, da Silber ein stark positives Standardpotenzial hat, wird es zu den Edelmetallen gezählt. Es ist selten, aber etwa 20x häufiger als Gold (67. Stelle der Elementhäufigkeit). Wie Platin und Gold kristallisiert auch Silber in kubischer Form.
Empfindlich reagiert Silber allerdings auf die Anwesenheit von Schwefel, vor allem von Schwefelwasserstoff in der Luft. Unter Bildung von Silber-Sulfid läuft Silber dann schwarz an, weswegen man schwefelhaltige Eierspeisen nicht mit Silberbesteck verzehren sollte. Daneben wird Silber von konzentrierter, heisser Schwefelsäure, von Salpetersäure, jedoch nicht von Salzsäure angegriffen. Mit Alkalizyaniden reagiert Silber ebenfalls unter Bildung von chemischen Komplexen, was in der Zyanidlaugung ausgenutzt wird; gegenüber Basen ist Silber hingegen beständig.
Silber ist leicht verarbeitbar, was sich die Schmuckindustrie bei der Herstellung von Silber-Schmuck zunutze macht. Das weiche, weissglänzende Metall besitzt nach Gold die höchste Dehnbarkeit; Silber kann daher zu blaugrün schimmernden Folien ausgewalzt werden. Um Silber als Werkstoff Härte zu geben, wird Silber oft mit Kupfer legiert. Kupfer bietet sich dafür an, da sich die Farbe des Silbers in diesen Legierungen nicht ändert. Ausser mit Eisen und Kobalt lässt sich Silber aber mit sehr fielen Metallen legieren. Eine Silber-Legierung spezieller Art ist das Silber-Amalgam, welches von Zahnärzten bis vor kurzer Zeit zur Herstellung von Zahnfüllungen verwendet wurde.
Vorkommen von Silber
Silber kommt in der Natur in Form von mindestens 129 verschiedenen Silber-Erzen, sowie gediegen vor; gediegenes Silber ist allerdings sehr selten und steht daher bei Mineraliensammlern hoch im Kurs. In Europa kann man gediegenes Silber unter anderem im Erzgebirge finden. Industriell wird Silber etwa zur Hälfte als Nebenprodukt bei der Kupfer-, Blei- und Zinkförderung gewonnen; ein Viertel stammt aus dem Silber-Recycling, und ein Viertel aus primären Silber-Minen, also dem Abbau der Silber-Erze selbst. Wichtige Abbauländer sind Peru, Mexiko, Australien, USA.
Schon im Altertum wurde Silber an der Erdoberfläche und in geringer Tiefe gefunden, die Ägypter nannten Silber aufgrund seiner Farbe das „Mondmetall“, und die Griechen prägten schon von 600 v. Chr. an Münzen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte Silber als Münzmetall eine grössere monetäre Bedeutung als Gold (ein umfassender Überblick über die „Silber-Geschichte“ findet sich hier:
Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften ist Silber das am meisten verwendete Edelmetall. Verarbeitet wird es vor allem in den USA, Indien, Japan und Italien. Für den Haushalt werden Geschirre, Bestecke und andere Silberwaren hergestellt. Bedeutender noch ist aber die industrielle Silber-Nachfrage: In elektrische Kontakte, Elektroden und elektronische Bauteile wird die hohe Leitfähigkeit von Silber ausgenutzt. In jedem Auto und in jedem Plasma-Fernseher wird durchschnittlich eine Feinunze Silber verbaut. In der chemischen Industrie ist Silber ebenfalls unverzichtbar, einerseits als Katalysator, andererseits als Reagenz zur Herstellung verschiedenster Verbindungen. Aufgrund der antibakteriellen Wirkung von Silber wird das Metall vermehrt auch in der Medizin verwendet. In Salben, hochwertigen Pflastern und Wundverbänden, aber auch bei anderen sterilen Hilfsmitteln kommt Silber vermehrt zum Einsatz und bewirkt eine gesundheitlich und ökologisch weitgehend verträgliche Desinfektion.
Einer zunehmend wachsenden Anhängerschaft erfreut sich kolloidiales Silber. Dabei handelt es sich um sehr fein verteilte Silberteilchen in Wasser (Grösse: 1-100nm). Silber soll auf diese Art als Desinfektionsmittel und zur Bekämpfung zahlreicher Krankheiten nützlich sein; eine Verwendung, welche allerdings umstritten ist. Der Effekt wird aber auch in der Lebensmitteltechnik (Keimschutz), sowie bei der Herstellung von Kleidern genutzt: So verhindern Silberfäden in Socken und Unterhemden unangenehme Schweißgerüche. In Waschmaschinen wiederum hilft der antibakterielle Effekt von Silber Waschmittel und durch die niedrigere notwendige Wassertemperatur Energie zu sparen. Zwar ist die Silber-Nachfrage zur Produktion von Silber-Schmuck, sowie für die Fotographie weltweit rückläufig, doch wird dies durch den Mehrverbrauch in neuen Anwendungen mehr als wettgemacht (ein Beispiel ist die Verbreitung von qualitativ hochwertigen RFID-Chips, für welche Silber eingesetzt wird).