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Gold - Silber Ratio


Gold und Silber haben gemeinsam, dass sie die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte eine monetäre Bedeutung hatten. Dies unter anderem aufgrund ihrer Seltenheit, ihrer Beständigkeit und ihrer Teilbarkeit. Gold und Silber waren die ersten Metalle, die in der Bibel erwähnt wurden. Und nicht ohne Grund wird der Besitz von Gold und Silber in alten Erzählungen schlicht mit Reichtum gleichgesetzt. Könige und reiche Händler hatten Schätze, voll mit Gold und Silber, und in den Märchen wurden gute Menschen oft mit Gold und Silber belohnt. Oftmals „soviel sie tragen konnten“.

Bei solchen Vorgaben würde es sich beim heutigen Kaufkraft-Verhältnis einer Unze Silber und einer Unze Gold natürlich lohnen, voll auf Gold zu setzen. Ein kräftiger Bursche im Märchen könnte so nach heutigen Wertverhältnissen eine Belohnung im Gegenwert einer kleineren Villa abtransportieren, setzte er auf Silber, würde es gerade für einen neuen Wagen reichen.

Gold wurde allerdings nicht immer höher bewertet als Silber, und darum soll es im Folgenden gehen, nämlich um das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber, auch Gold/Silber-Ratio genannt.

Es gibt durchaus Gründe, welche für einen „höheren Wert“ von Silber gegenüber Gold sprechen:

  • Silber hat eine Vielzahl von Anwendungen in der Industrie, im Gegensatz zu Gold, welches industriell deutlich weniger nützlich ist. Für viele Anwendungen ist Silber unersetzlich.

  • Dadurch wird laufend Silber dem Kreislauf entzogen, während bei Gold noch rund 90% des je geförderten Metalls in Tresoren und Schmuckkassetten vorhanden ist und theoretisch auf den Markt gelangen könnte, betragen die Silberreserven einschliesslich Schmuck und Silberwaren nur noch 10% der geförderten Gesamtmenge.
Für eine tiefere Kaufkraft einer Unze Silber im Verhältnis zu einer Unze Gold sprechen:

  • Die deutlich niedrigeren Goldgehalte in der Erdkruste und dadurch massiv höheren Förderpreise beim Gold.
  • Silber ist weniger beständig und kann mit der Zeit anlaufen.
  • Silber fällt in verhältnismässig grossen Mengen als „Nebenprodukt“ bei der Förderung von Basismetallen wie Zink oder Kupfer an.
Für den Silber-Investor ist das Gold/Silber-Preisverhältnis von grosser Bedeutung. Dieses schwankte in den letzten 300 Jahren zwischen 10:1 und 100:1, wie man auf dem nachfolgendem Chart erkennen kann.

Ebenfalls ist ersichtlich, dass das Gold/Silber-Ratio die längste Zeit in dieser Periode ziemlich konstant war und zwischen 10:1 und 20:1 lag. Dies macht auch in Bezug auf das Verhältnis des natürlichen Vorkommens in der Erdkruste Sinn, welches etwa bei 1:17,5 liegt (Quelle: AGI). Erst Ende des 19. Jahrhunderts geriet das Verhältnis in Bewegung, und in den 30er-Jahren wurde ein erster Peak verzeichnet, für eine kurze Zeit war eine Unze Gold deutlich mehr wert als 100 Unzen Silber!

Seither kam das Verhältnis nicht mehr zur Ruhe; Ende der 60er Jahre und zu Beginn der 80er Jahre wurden wieder Werte unter 20:1 erreicht. Anfangs der 90er Jahre gab es erneut einen Peak bei rund 100:1. Aktuell liegen wir bei 62,34:1 (berechnet mit einem Goldpreis von 952 USD/Unze und einem Silberpreis von 15,27 USD/Unze / Stand: 12.06.2009).

Die Schwankungen korrelieren dabei, zumindest in den letzten Jahren, seit Gold frei gehandelt wird, weitgehend mit den Edelmetall-Haussen und –Baissen.

Steigt der Goldpreis an, steigt Silber meist auch an, aber nicht zuletzt aufgrund der Enge des Silbermarkts prozentual stärker als Gold. Sinkt der Goldpreis, passiert das Umgekehrte. Dies bewirkt, dass am Peak eines Edelmetall-Haussezyklus wie zu Beginn der 80er Jahre meist auch das Gold/Silber-Verhältnis auf einem Tiefpunkt ist.

Gold/Silber-Preisverhältnis der letzten 300 Jahre (Quelle: sharelynx.com)

Es muss an dieser Stelle erwähnt sein, dass die Korrelation der Silber- und Goldnotierungen keinesfalls in Stein gemeisselt oder ein Naturgesetz ist. Wir gehen sogar davon aus, dass in Zukunft diese Korrelation aufgehoben werden könnte, unter anderem aufgrund der fundamentalen Unterschiede auf den beiden Märkten. Aber es ist eine Tatsache, dass in den letzten 30 Jahren diese Korrelation oft spielte und damit auch zu den wilden Schwankungen des Gold/Silber-Ratios beitrug.

Die noch viel interessantere Frage ist aber die, wieso das Preisverhältnis während Jahrhunderten zwischen 10:1 und 20:1 lag, und im 20. Jahrhundert plötzlich dermassen anstieg?

Ein wichtiger Grund ist der, dass Gold und Silber seit der Abschaffung von Bimetall- und Goldstandards in Raten immer mehr als Rohstoffe gesehen werden. Als Silber und Gold noch als Zahlungsmittel verwendet wurden, sei es in physischer (Münz-)Form, oder sei es als hinterlegter Bimetall-Standard, wurde meist ein Umtauschkurs gewählt, welcher durch das natürliche Vorkommen und das Verhältnis der jährlichen Fördermengen sinnvoll erschien.

Je mehr Gold und Silber als Rohstoffe gesehen wurden, desto mehr orientierten sich die Preise an den Förderkosten, welche deutlich weiter auseinander liegen und ein deutlich höheres Preisverhältnis rechtfertigten. Die Situation der letzten Jahrzehnte ist historisch absolut einmalig. Noch nie zuvor hat die Welt die Bedeutung von Gold & Silber als Geld derart vergessen und vernachlässigt.

Dazu kam die Tatsache, dass Silber die monetäre Bedeutung viel stärker verlor, als Gold, dessen monetäre Bedeutung auch heute noch allgemein anerkannt ist, weswegen viele westliche Zentralbanken nach wie vor Gold in ihren Tresoren halten (wenn auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein grosser Anteil davon verkauft wurde und oft in Richtung Fernost ging).

Dadurch ist im Goldpreis eine monetäre „Prämie“ enthalten, welche dem Silberpreis abhanden kam, und welche das Verhältnis weiter zugunsten des Goldes verschob.

Langfristig gesehen tendieren Märkte dazu, solche Preisverhältnisse dem Durchschnitt anzugleichen, dabei ihr Ziel wie ein Pendel abwechselnd über- und unterschiessend. Basierend auf den Jahresend-Durchschnittspreisen lag das Durchschnittsverhältnis von Gold und Silber zwischen 1792 und 2002 bei 31,32. Wenn sich beide Metalle zu diesem Ratio hinbewegen, dann würde Silber 2,4mal schneller steigen als Gold. Während dem letzten Bullenmarkt ver-23fachte sich der Goldpreis, während Silber sich von USD 0,90 auf USD 50 mehr als ver-55fachte. Somit stieg Silber 2,3mal schneller als Gold.

Es ergeben sich also für den Edelmetallinvestor zusätzliche Chancen, indem er auf die (zumindest teilweise) Remonetarisierung von Silber setzen kann! Denn es sprechen eigentlich alle Gründe, welche für eine Investition in Gold sprechen, auch für eine Investition in Silber (mal abgesehen vielleicht von der Handlichkeit). Zusätzlich profitiert Silber, welches traditionell als „Gold des kleinen Mannes“ gilt, noch stärker von einer zukünftig möglicherweise noch grösseren Bedeutung der Edelmetalle als Geld oder Geldersatz.

Dadurch, und durch die noch grössere oberirdische Knappheit resultiert für Silber noch ein deutlich höheres Kurspotenzial als für Gold! Denn je mehr die Edelmetalle zu Investitionsobjekten werden, desto mehr orientiert sich deren Preis wieder an anderen Gesichtspunkten als nur den Herstellungskosten. Zumal die Förderung nicht beliebig hochgefahren werden kann, gerade beim Silber, dessen Preis bei Sekundär-Silberminen (bei denen Silber als Nebenprodukt anfällt) kaum die Entscheidung über eine Vergrösserung der Produktion beeinflusst.

Denn wenn Gold- und Silber zur Absicherung vor der (Papier-) Geldentwertung gekauft werden, bedeutet das nichts anderes, als dass diese Edelmetalle als Geld-Substitut Verwendung finden, was schlussendlich heisst, als dass die monetäre Bedeutung dieser Metalle wieder an Einfluss gewinnt. In den letzten Jahren wuchs die Nachfrage nach Edelmetallen zu Investitionszwecken stark an, insbesondere beim Silber. Wir befinden uns also auf dem besten Weg dahin!

Appendix: Geschichtlich angewandte Gold/Silber-Verhältnisse

Ein Gold Sovereign aus dem Jahr 1816 wiegt 7,988g (mit 11 von 12 Teilen aus Gold; womit der Goldgehalt bei 7,32g liegt) und war im Wert gleichwertig wie 20 Schillinge Silber. Ein Schilling enthält 5,23g Silber, womit 20 Schillinge 104,6g ausmachen. Somit lag das damals offizielle monetäre Ratio bei 14,29 (104,6g : 7,32).

 
GEORGIUS III dei Gratia Rex (lebte von 1760-1820)
 
VICTORIA dei Gratia

In Frankreich wurden die monetären Verhältnisse 1803 festgelegt. Die gängigen Umlaufmünzen waren die 1 Franken Silbermünze, wovon 200 Stück 1kg Silber enthielten (5g pro Stück), sowie die 20-Franken Goldmünze, wo von 155 Stück 1kg Gold beinhalteten. Somit entsprachen 3.100 Goldfranken (155x20) genau 200 Silberfranken und es ergab sich ein Ratio von 15,5.

 
Louis Philippe I Roi de Francais
 
Louis Philippe I Roi de Francais

Dieses Gold-Silber-Preisverhältnis fand seit Begin des 19. Jahrhunderts nach Frankreich auch in England und in den U.S.A. Anwendung. Die USA führten 1792 per Gesetz die Doppelwährung mit einem Preisverhältnis von 1:15 ein, welches 1834 und 1857 geändert wurde.

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